Wie wurde damals Kirmes gefeiert? Wie wurde damals der Brauch gelebt? Baumstellen, Kirmeshüte binden, Kranz binden…

So wie jedes Dorf im Kreis Limburg-Weilburg (das noch Kirmes feiert) wurde auch in Eschhofen immer wieder der Kirmesbaum bemalt, durchgesägt, angesägt und noch vieles mehr…

Aber nicht nur Schindluder wurde getrieben… Auch wurde alles daran getan das das Fest gefeiert werden konnte. Das Geld war knapp und es mussten Getränke etc… besorgt werden. Und darüber gibt es ebenso viele Geschichten.

Hier möchte ich versuchen solche wahren Geschichten zu sammeln.

Geschichte von 1905: (Auszug aus der Kirmeszeitschrift von 1958)
Erinnerungen des ältesten noch am lebenden Kirmesburschen von Eschhofen:
Wir waren zu neunt, die sich zusammengetan hatten, um die Kirmes 1905 zu feiern. Wochen vorher machten wir uns auf die Suche nach Kirmesmädchen. Bei jeder Auserwählten wurde dann ein Faß Bier angerollt. Und immer gab es eine lange Nacht, denn das Erzeugnis aus Hopfen und Malz musste ja bis zum Rest getrunken werden.
Am Samstag vor Kirmes fällten wir dann im Wald eine hohe, schlanke Tanne, die wir Abend vor dem Bürgermeisteramt aufstellten. Anschließend spielte die Tanzkapelle den ganzen Abend nur für uns in unserem Stammlokal, der Gastwirtschaft Ries, in der damaligen Kirchgasse.
Am Sonntag folgte der gemeinsame Kirchgang, Besuch beim Herrn Pfarrer Hagemann und Herrn Bürgermeister Bellinger, sowie der große Umzug durchs Dorf.
Montags zogen wir mit Musik durch die Gemeinde und vor jedem Haus wurde Halt gemacht. Hier tanzte man mit allen Frauen – von der Oma angefangen bis zu deren Enkelchen – Dabei erhielten wir immer ein paar Pfennige.
Des Dienstags ging es dann zum Dietkircher Markt, denn unsere Kirmes fiel damals noch in den Herbst. Hier kauften wir unsere Mädchen etwas und tanzten bis spät in die Nacht.
Interessieren wird auch noch was die Kirmes damals gekostet hat.
Jeder von uns gab damals ca. 30 – 40 Goldmark aus. Das war eine Menge Geld und wir mussten durchschnittlich 2 Wochen dafür arbeiten. Der Schnaps, wir kauften 70 Liter, kostete zusammen 56 Goldmark. Für den halben Liter Bier zahlte man 1 Groschen.

Geschichte von ca. 1928: (Auszug aus der Kirmeszeitschrift von 1958)
Kauf des Kirmeshammels… Mit Musik und zwei Pferdegespannen fuhren wir an einem Sonntagmittag den Hammel holen. Nun, auch damals gab es Bier und der Konsum war vor, während und nach der Fahrt nicht gering. Leider konnten wir aber bei der Heimfahrt dem gekauften Hammel unsere Freude nicht übermitteln, mit anderen Worten: ihn reitzte ein saftiger Kleeacker mehr als unsere durch Musik und Bier geschwängerte Luft. Er riß aus.
Nach zweistündiger, mit List durchgeführter Verfolgung, gelang es uns 20 Akteuren, den Ausreißer wieder einzufangen. Wieviel zerrissene Hosen und Grasflecken es in den Kleidern gab, ganz zu schweigen von sonstigen Reinfällen, wagt der Erzähler nicht zu nennen.
Eines sei am Schluss erwähnt: Musikkapelle, Kutscher, Pferde, und der geplagte Hammel waren froh, in Eschhofen zu sein. Trotz allem glaube ich noch heute, dass jeder der Beteiligten an diesem schönen Sommertag seine Freude hatte, ausser dem Hammel, der uns seine ehrenvolle Berufung so schlecht gedankt hatte.

Geschichte von 1948: (Auszug aus der Kirmeszeitschrift von 1958)
So geschehen, wenige Wochen nach der Währungsreform.
Wir zwölf gehörten nicht zu den schlechtesten Trinkern. Woher aber sollten wir den Kirmeswein nehmen? Zwei erklärten sich schnell bereit diese Sache zu übernehmen. Ziel war das damals französische Rheinland, wozu man allerdings einen Paß brauchte. In der Eile mussten zwei gefälschte herhalten. Nach Nackenheim kam man ohne Schwierigkeiten, aber auf dem Heimweg war mitten auf der Rheinbrücke Mainz-Wiesbaden Endstation für unsere beiden Grenzgänger. Während der eine nun mit viel „vui, vui“ dem Franzosen seinen falschen Paß â€žerklärte“, gelang es dem anderen noch, die beiden vollen Korbflaschen bei einem deutschen Grenzer in Sicherheit zu bringen; aber dann ereilte auch ihn das Schicksal. Zu 30 Tagen Haft, ersatzweise 600.- DM Geldbuße, wurde man verdonnert. Unsere beiden zogen es vor, beraubt aller wertvollen Gegenstände – wozu man damals auch die Schuhriemen zählte – erst einmal das Gefängnis aufzusuchen.
Nach 2 Tagen hatte man dann auch in Eschhofen gemerkt, daß irgendwo etwas faul war. Nach wiederholten Anfragen bei der Polizei ermittelte man den Stand- bzw. Liegeort der Strafgefangenen. Da am folgenden Sonntag Kirmes sein sollte, blieb nichts anderes übrig, als alles vorhandene, damals so wenige, Geld zu sammeln und nach drei Tagen mit 540 Mark die Kameraden loszukaufen. Gegen einige schnell abgefüllte Flaschen Wein bekam man auch die beiden Korbflaschen wieder. Mit viel HALLO ging es in die Heimat.
Dort war aber mittlerweile die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, und die Kirmes wurde um 6 Wochen verschoben.